SCHWARZARBEIT

Ein Film von Ulrich Grossenbacher

Inhalt/Synopsis

 

Betrüger und Betrogene, Lohndumping und Schwarzarbeit – hautnah unterwegs mit den Arbeitsmarktinspekorinnen Frédy, Regula, Marcos, Stefan und Chrümu verzweifeln wir mit ihnen an der oft fast unlösbaren Aufgabe gesetzliche Mindeststandards in der Schweizer Arbeitswelt durchzusetzen.

 

Die Europäische Union verlangt ultimativ weniger wirksame Lohnschutzmassnamen in der Schweiz. Die Gewerkschaften wollen hart bleiben! Ein politisches Roadmovie, das eine komplexe Materie spannend wie einen Thriller vermittelt.

Premiere Schwarzarbeit

21. Januar 2022

Landhaus Solothurn

14:45 Uhr

24. Januar 2022

Reithalle Solothurn

17:45 Uhr


Stimmen zum Film

Frank Baumann

Ein begeistertes Bravo für deinen Film! Meine Erwartungen waren im Vorfeld nicht klein. Doch hatte ich mich insgeheim gefragt, wie es dir wohl gelingt, dieses unsichtbare Thema Aussenstehenden filmisch interessant näher zu bringen. Und siehe da, du steigst mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit in diese Materie ein und nimmst die Zuschauenden ohne Umschweife auf eine überraschend spannende Abenteuerfahrt in den vermeintlich wohlbekannten Schweizer Alltag mit.
Deine Protaginist:innen aus der Arbeitsmarktkontrolle Bern sind grossartige Figuren, wie sie sich kein Drehbuch besser ausdenken könnte. Da sind Ernst, Fieber, Verzweiflung, Gefühl - und ja - auch Humor - dicht beisammen. Deine tolle „Besetzung“ gibt mit ihrer unterschiedlichen persönlichen und professionellen Vorgehensweise sowas wie ein Gesamtbild der Schweizer Rechtsschaffenheit ab. Verblüffend, wie nahe sich idealistisches Beamtentum, Klassenkampf und Sisyphus kommen können... Der Brückenschlag in die Gewerkschafts- und Realpolitik gelingt dir ebenfalls spielend. Fortlaufend erschliessen sich Zusammenhänge und deren gesellschaftliche Tragweite, die über die titelgebende „Schwarzarbeit“ hinausgeht. Und nebenbei schaffst ein regelrechtes Kunststück: Obschon du dich auf die Beobachtung der Kontrollierenden bei ihrer Arbeit beschränkst, weckst du Verständnis und Anteilnahme für die Schwarz-arbeitenden. Dein Anliegen ist spürbar, die Dringllichkeit unaufgesetzt - aber gerade deshalb umso nachhaltiger, denke ich. Und notabene: Dein Film hat richtig „Zug“ dank konzentrierter, alerter Kamera und präziser Montage.

Till Brockmann 

 

Der investigative Dokumentarfilm folgt Arbeitsmarktinspektor*innen des Kantons Bern bei ihrer Arbeit. Einfühlsam und unaufgeregt beobachtend, zuweilen auch spannend wie ein Krimi, fächert er dabei die ganze Breite der Problematik auf: Schwarzarbeiter*innen unterlaufen die Gesetzgebung und bringen damit soziale Errungenschaften wie einen gerechten Mindestlohn und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in Gefahr. Andererseits werden sie selbst von gewissenlosen Firmen und Arbeit-geber*innen, inländischen und aus-ländischen, missbraucht und ausgebeutet, sind sie Opfer globaler wirtschaftlicher und politischer Ränke-spiele. Und wenn es zu Strafen kommt, wird vor allem das Leid der sowieso schon Leidtragenden vergrössert. Mit der Begleitung des Politikers und Gewerkschaftlers Corrado Pardini erörtert der Film sein Thema zusätzlich im Kontext der bilateralen Verhandlungen der Schweiz mit der EU, bei denen der Lohnschutz Teil der Verhandlungsmasse ist.

Doch der eigentliche Kern von «Schwarzarbeit» liegt in der humanen Dimension, die sich sowohl psychologisch als auch ideologisch zu erkennen gibt. Und diese Menschlichkeit begegnet uns auf allen Ebenen, in allen Gesprächen, an allen Fronten, bei den Schwarzarbeitenden ebenso wie bei den Inspizierenden. Denn Gesetzesparagrafen sind das eine, ihre Anwendung im Alltag das andere. Besonders die Kontrolleur*innen bringen dem Filmteam enormes Vertrauen entgegen, was uns unverhoffte und verblüffend offene Einblicke in ihre Gedanken und Gewissenskonflikte erlaubt. Das Spektrum geht von solchen, die aus Mitgefühl die eigenen Regeln zu ignorieren gewillt sind, bis zum Inspektor, einem ehemaligen Polizisten, der von sich selbst behauptet, er sei ein "sozialer Tiefflieger mit der Empathie eines Zwiebacks". Nachvollziehbar auch, wenn selbst den wohlgesinnten und verständnisvollen Inspektor*innen im Umgang mit den Erwischten irgendwann der Geduldsfaden reisst, denn eine gewisse – wenn auch aufgezwungene – Schlitzohrigkeit ist auch bei Letzteren nicht von der Hand zu weisen.

«Schwarzarbeit» ist eine erhellende und scharfsinnige Betrachtung eines lokalen Mikrokosmos, der immer auf eine grosses Ganzes verweist, die so tiefgreifende Themen wie soziale Gerechtigkeit, Ungleichheit, Solidarität, Gemeinwohl, Freiheit und die Würde des einzelnen auslotet. Sie verhandelt die Zwickmühlen des Sozialstaats und damit die Diskrepanzen zwischen Recht und Gerechtigkeit, Utopie und Realität, stellt die Bedürfnisse des Individuums denen der Gesellschaft gegenüber. Und das sind zweifelsfrei Sujets, die nicht nur Schwarzarbeiter*innen und Gesetzes-hüter*innen, sondern uns alle etwas angehen.

Geri Krebs

 

Das beabsichtigte Rahmenabkommen der Schweiz mit der EU ist Geschichte. Zumindest vorläufig. Nicht Geschichte sind dagegen Dumpinglöhne, Tarifunterwanderung und Schwarzarbeit. Bei einer Annahme des vorgesehenen Rahmenabkommens wären diese schon heute weit verbreiteten Praktiken zur Regel und zu unvermeidlichen Begleiterscheinungen eines grenzenlos liberalisierten Arbeitsmarktes geworden. Davon handelt „Schwarzarbeit“, der neue Dokumentarfilm von Ulrich Grossenbacher („Messies – Ein schönes Chaos“). Zu den vornehmsten Aufgaben eines Regisseurs von Dokumentarfilmen gehört es, sich an Orte und zu Menschen zu begeben, die man für gewöhnlich nicht sieht und von denen nichts oder kaum etwas bekannt ist. Ulrich Grossenbacher ist hingegangen, hat sich mit seiner Kamera in die Autos von – stets zu zweit agierenden – Arbeitsmarkt-kontrolleuren in der Region Bern gesetzt, hat ihnen auf den Fahrten zu ihren oftmals abgelegenen Einsatzorten zugehört. Und er ist präsent, wenn sie in Restaurantküchen, Baustellen, Lebensmittelläden, Hotels, Privathaushalten oder sonstigen Orten, wo man es mit gesetzlichen Arbeits-bestimmungen oft nicht so genau nimmt, unerwartet auftauchen. Dabei entstehen bisweilen krimireife Situationen in einem anwaltschaftlichen und dennoch differenzierten politischen Roadmovie, das punktgenau, unerbittlich und in eminent filmischer Weise die dunklen Seiten unserer Wohlstandsgesellschaft ausleuchtet. „Ich bin nicht auf der Welt, um mich bei allen beliebt zu machen“, sagt einmal einer der Arbeitsmarktkontrolleure während einer Autofahrt zu seinem Compagnon – und von einer ähnlichen Haltung getragen, ist auch „Schwarzarbeit“. Es ist ein Film, der sich nicht scheut, dort hinzuschauen, wo es wehtut.


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Facts

Produktion: FAIR & UGLY

Produktionsjahr: 2022

Dauer: 109 min

Releases

Premiere: 21. Januar 2022

Kinostart geplant: 28. April 2022


Statement des Autors

Als die alte „Migros Lorraine“ in eine neue, schicke Filiale zügelte, wollte das Management der „Migros Aare“, die bestehende Crew von Angestellten nicht in die neue Filiale wechseln lassen. Einige ältere Verkäuferinnen und Verkäufer waren am Boden zerstört. Frau Hirt, seit 25 Jahren an der Kasse, verstand die Welt nicht mehr und weinte. Meine Frau und ich waren von dieser Situation sehr betroffen und organisierten eine Kampagne für die Verkäuferinnen. 

Wir informierten einen Journalisten von der „Berner Zeitung“ und initiierten nach dessen Artikel einen Shit Storm in Kommentarspalten und bei der Direktion von „Migros Aare“. Auch den Verein „Läbigi Lorraine“ wurde aktiviert.

Betroffen durch die vielen Zuschriften von Quartierbewohnern zeigte sich das Management der „Migros Aare“ am nächsten Tag bereit, mit dem Verein „Läbigi Lorraine“ als offizielle Vertretung der QuartierbewohnerInnen den Dialog zu suchen. Nach diesem Gespräch durfte die alte „Lorraine Migros“-Crew in die neue Filiale ziehen. „20 Minuten“ berichtete auf der Titelseite. Jetzt bewacht Frau Hirt stolz die Selbstbedienungskassen in der neuen Filiale und verabschiedet sich jedes Mal mit „machets de guet“ von den Kunden.

Nach dem Wechsel in die neue Filiale erzählte sie mir, dass es sie unheimlich glücklich und stolz gemacht habe, dass sich das ganze Quartier für sie eingesetzt habe, da sie doch sonst bei ihrer Arbeit immer als unsichtbar gelte.

Das Happy End in dieser Geschichte trifft genau die Absicht, welche ich mit dem Film „Schwarzarbeit“ anstrebe: Mich nämlich für eine menschliche und lebenswerte Arbeitswelt einzusetzen.

 

Als Haupterzählstrang im Film Schwarzarbeit begleite ich die unangemeldeten Besuche der Arbeitsmarktkontrolle Bern (AMKBE).

Überfallartig bringen uns die Inspektoren an Orte und zu Menschen, die uns in der heutigen Arbeitswelt eine grosse Misere offenbaren.

Es handelt sich dabei um ein weitergehendes Politikum, da sich unser Land in den letzten Jahren immer wieder heftig mit der europäischen Integration auseinandersetzt. Einer der grössten Streitpunk dabei: Soll die Schweiz die eigenen Lohnschutz-Massnahmen aus der Hand geben und dem europäischen Recht unterstellen.

Emotional fühle ich mich bei diesen Lohnkontrollen mit beiden Seiten verbunden, mit den Inspektoren ebenso wie mit den kontrollierten ArbeiterInnen. Mit den Inspektoren, weil sie für lebenswerte Arbeitsbedingungen und einen funktionierenden Sozialstaat einstehen, und den Kontrollierten, weil sie oft keine andere Wahl haben, als schwarz und ausserhalb gesetzlicher Bestimmungen zu arbeiten. Dabei denke ich auch an die geschätzten 100'000 Sans-papiers in der Schweiz.

 

Infolge der Globalisierung ist das günstigste Angebot immer in Reichweite. Gleichzeitig delegieren wir Probleme in der Produktion einfach ins Ausland. In Asien, Afrika, in mittel- und südamerikanischen Ländern gibt es weniger soziale Sicherheit. Die Löhne für einfache Arbeiten reichen dort meistens knapp zum Überleben, auch der Umweltschutz kommt erst hinter den wirtschaftlichen Interessen. Wir kennen diese Problematik und fühlen uns ihr gegenüber ausgeliefert und hilflos. Trotzdem konsumieren wir manchmal freudvoll und manchmal achtlos all diese Früchte, Kleider und Waren aus der ganzen Welt.

Mit meinem Film möchte ich aufzeigen, dass man die Löhne nicht dem freien Markt überlassen sollte. Es braucht Schutzmassnahmen für alle. In der menschlichen Natur ist die Bereicherung auf Kosten der Mitmenschen ein starker Trieb. Wir brauchen deshalb Kontrollen, um dieses Verlangen in Grenzen zu halten.

Das Abkommen über die Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der europäischen Union 2002 war ein grosser politischer Fortschritt für die Bürger in unserem Land und in Europa. Man hatte neu das Recht, sich niederzulassen wo man wollte, in Europa und umgekehrt auch in der Schweiz. In der damaligen Abstimmung hatte man klugerweise der Schweizer Bevölkerung Lohnschutz versprochen, welcher in Form flankierender Massnahmen kodifiziert wurde.

Die EU erachtete in den letzten fünfzehn Jahren die wirtschaftlichen Interessen einer nach Profit und Wachstum strebenden Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft höher ein, als ein soziales und auf Ausgleich bedachtes Europa. Auch bei den sozialdemokratischen Parteien in Europa kam der Lohnschutz aus der Mode und wurde als nicht mehr prioritär angesehen. Ohne Basis bei den ärmeren Schichten verschwanden die Sozialisten und Sozialdemokraten mehrheitlich von den Schalthebeln der Macht. Ich bin überzeugt, dass die politischen Krisen in der EU und den USA mit Brexit, Gelbwesten, Donald Trump und dem Aufkommen rechtsnationaler und antidemokratischer Bewegungen auf diese Politik zurückzuführen sind. Eine Unter- und Mittelschicht, welche sich im grenzenlosen Arbeitsmarkt auf der Verliererseite sieht, ist sehr empfänglich für fremdenfeindliche Ideologien. Dabei wird verkannt, dass das Problem nicht der polnische Metallbautechniker, die deutsche Informatikerin, der spanische Mauerer oder die rumänische Wäscherin ist. Es sind die grossen Firmen, Auftraggeber und Bauherren, welche sich nicht an die vereinbarten Mindestlöhne halten oder ihre Verantwortung an Subunternehmer delegieren, welche oft schwarzarbeiten lassen oder Angestellte in eine Scheinselbstständigkeit zwingen.

Aber auch der Staat steht in der Verantwortung, welche Vergehen er gegen das Arbeitsrecht duldet oder nicht duldet und wie stark er kontrolliert und sanktioniert.

 

So ist der Film Schwarzarbeit, welcher mehrheitlich im Kanton Bern gedreht wurde, auch ein europäischer Film, in dem sich globale Auseinandersetzungen zum Thema Arbeit und Gerechtigkeit spiegeln.

 

Ulrich Grossenbacher

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