SCHWARZARBEIT

Ein Film von Ulrich Grossenbacher

Inhalt/Synopsis

Betrüger und Betrogene, Lohndumping und Schwarzarbeit – hautnah unterwegs mit den Arbeitsmarktinspekorinnen Frédy, Regula, Marcos, Stefan und Chrümu verzweifeln wir mit ihnen an der oft fast unlösbaren Aufgabe gesetzliche Mindeststandards in der Schweizer Arbeitswelt durchzusetzen.

 

Die Europäische Union verlangt ultimativ weniger wirksame Lohnschutzmassnamen in der Schweiz. Die Gewerkschaften wollen hart bleiben! Ein politisches Roadmovie, das eine komplexe Materie spannend wie einen Thriller vermittelt.

Festivals

  • Solothurner Filmtage 2022
  • DOK.fest München 2022 

Pressestimmen

Sennhausers Filmblog

GrossenbachersSchwarzarbeit gehört zu jenen fast perfekten Wunderwerken des Dokumentarischen, welche einerseits klar Position beziehen, anderseits aber ein so breites Spektrum abbilden, dass die Vorstellung von Objektivität gewahrt bleibt. Gleichzeitig ist die politisch didaktische Komponente hier so grossartig in menschliche Drama verpackt, dass sich niemand den Geschichten entziehen möchte.

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So präzise und so lakonisch hat schon länger kein Film mehr das soziale Selbstverständnis der Schweiz auf die Probe gestellt.

 

 

Was «Schwarzarbeit» zum Ereignis macht, ist, dass Ulrich Grossenbacher immer den Menschen ins Zentrum setzt. Die Zuschauer lernen die Inspektoren kennen, sie erzählen von sich, von ihrem Leben und ihren Haltungen.

 

 


Packende neue Dok über Lohndumping und Schwarzarbeit: «Sorry, Chef, sorry!

 

 

Wer macht sich eigentlich auf die Suche nach Schwarzarbeit in der Schweiz? Ulrich Grossenbachers Dokumentarfilm zeigt die Protagonisten dieser Arbeit – ihr ewiges Reisen, die gelegentlichen Einsätze. Und wirft sein Licht auf dieses systemische Problem.

 

 

Der Film zeigt eindrücklich, wie ausländische Arbeitnehmer*innen in der Schweiz systematisch ausgenützt werden. Grossenbacher hat ein spannendes, tragisch-komisches Roadmovie geschaffen, das zur politischen Diskussion anregt.

 

 


Filmstills

Premierenfotos - 57. Solothurn Filmtage

Stimmen zum Film

Frank Braun

Till Brockmann 

 

Geri Krebs

 


Download/Links

Facts

Produktion: FAIR & UGLY

Produktionsjahr: 2022

Dauer: 109 min

Releases

Premiere: 21. Januar 2022

Kinostart: 28. April 2022


Statement des Autors

Als die alte „Migros Lorraine“ in eine neue, schicke Filiale zügelte, wollte das Management der „Migros Aare“, die bestehende Crew von Angestellten nicht in die neue Filiale wechseln lassen. Einige ältere Verkäuferinnen und Verkäufer waren am Boden zerstört. Frau Hirt, seit 25 Jahren an der Kasse, verstand die Welt nicht mehr und weinte. Meine Frau und ich waren von dieser Situation sehr betroffen und organisierten eine Kampagne für die Verkäuferinnen. 

Wir informierten einen Journalisten von der „Berner Zeitung“ und initiierten nach dessen Artikel einen Shit Storm in Kommentarspalten und bei der Direktion von „Migros Aare“. Auch den Verein „Läbigi Lorraine“ wurde aktiviert.

Betroffen durch die vielen Zuschriften von Quartierbewohnern zeigte sich das Management der „Migros Aare“ am nächsten Tag bereit, mit dem Verein „Läbigi Lorraine“ als offizielle Vertretung der QuartierbewohnerInnen den Dialog zu suchen. Nach diesem Gespräch durfte die alte „Lorraine Migros“-Crew in die neue Filiale ziehen. „20 Minuten“ berichtete auf der Titelseite. Jetzt bewacht Frau Hirt stolz die Selbstbedienungskassen in der neuen Filiale und verabschiedet sich jedes Mal mit „machets de guet“ von den Kunden.

Nach dem Wechsel in die neue Filiale erzählte sie mir, dass es sie unheimlich glücklich und stolz gemacht habe, dass sich das ganze Quartier für sie eingesetzt habe, da sie doch sonst bei ihrer Arbeit immer als unsichtbar gelte.

Das Happy End in dieser Geschichte trifft genau die Absicht, welche ich mit dem Film „Schwarzarbeit“ anstrebe: Mich nämlich für eine menschliche und lebenswerte Arbeitswelt einzusetzen.

 

Als Haupterzählstrang im Film Schwarzarbeit begleite ich die unangemeldeten Besuche der Arbeitsmarktkontrolle Bern (AMKBE).

Überfallartig bringen uns die Inspektoren an Orte und zu Menschen, die uns in der heutigen Arbeitswelt eine grosse Misere offenbaren.

Es handelt sich dabei um ein weitergehendes Politikum, da sich unser Land in den letzten Jahren immer wieder heftig mit der europäischen Integration auseinandersetzt. Einer der grössten Streitpunk dabei: Soll die Schweiz die eigenen Lohnschutz-Massnahmen aus der Hand geben und dem europäischen Recht unterstellen.

Emotional fühle ich mich bei diesen Lohnkontrollen mit beiden Seiten verbunden, mit den Inspektoren ebenso wie mit den kontrollierten ArbeiterInnen. Mit den Inspektoren, weil sie für lebenswerte Arbeitsbedingungen und einen funktionierenden Sozialstaat einstehen, und den Kontrollierten, weil sie oft keine andere Wahl haben, als schwarz und ausserhalb gesetzlicher Bestimmungen zu arbeiten. Dabei denke ich auch an die geschätzten 100'000 Sans-papiers in der Schweiz.

 

Infolge der Globalisierung ist das günstigste Angebot immer in Reichweite. Gleichzeitig delegieren wir Probleme in der Produktion einfach ins Ausland. In Asien, Afrika, in mittel- und südamerikanischen Ländern gibt es weniger soziale Sicherheit. Die Löhne für einfache Arbeiten reichen dort meistens knapp zum Überleben, auch der Umweltschutz kommt erst hinter den wirtschaftlichen Interessen. Wir kennen diese Problematik und fühlen uns ihr gegenüber ausgeliefert und hilflos. Trotzdem konsumieren wir manchmal freudvoll und manchmal achtlos all diese Früchte, Kleider und Waren aus der ganzen Welt.

Mit meinem Film möchte ich aufzeigen, dass man die Löhne nicht dem freien Markt überlassen sollte. Es braucht Schutzmassnahmen für alle. In der menschlichen Natur ist die Bereicherung auf Kosten der Mitmenschen ein starker Trieb. Wir brauchen deshalb Kontrollen, um dieses Verlangen in Grenzen zu halten.

Das Abkommen über die Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der europäischen Union 2002 war ein grosser politischer Fortschritt für die Bürger in unserem Land und in Europa. Man hatte neu das Recht, sich niederzulassen wo man wollte, in Europa und umgekehrt auch in der Schweiz. In der damaligen Abstimmung hatte man klugerweise der Schweizer Bevölkerung Lohnschutz versprochen, welcher in Form flankierender Massnahmen kodifiziert wurde.

Die EU erachtete in den letzten fünfzehn Jahren die wirtschaftlichen Interessen einer nach Profit und Wachstum strebenden Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft höher ein, als ein soziales und auf Ausgleich bedachtes Europa. Auch bei den sozialdemokratischen Parteien in Europa kam der Lohnschutz aus der Mode und wurde als nicht mehr prioritär angesehen. Ohne Basis bei den ärmeren Schichten verschwanden die Sozialisten und Sozialdemokraten mehrheitlich von den Schalthebeln der Macht. Ich bin überzeugt, dass die politischen Krisen in der EU und den USA mit Brexit, Gelbwesten, Donald Trump und dem Aufkommen rechtsnationaler und antidemokratischer Bewegungen auf diese Politik zurückzuführen sind. Eine Unter- und Mittelschicht, welche sich im grenzenlosen Arbeitsmarkt auf der Verliererseite sieht, ist sehr empfänglich für fremdenfeindliche Ideologien. Dabei wird verkannt, dass das Problem nicht der polnische Metallbautechniker, die deutsche Informatikerin, der spanische Mauerer oder die rumänische Wäscherin ist. Es sind die grossen Firmen, Auftraggeber und Bauherren, welche sich nicht an die vereinbarten Mindestlöhne halten oder ihre Verantwortung an Subunternehmer delegieren, welche oft schwarzarbeiten lassen oder Angestellte in eine Scheinselbstständigkeit zwingen.

Aber auch der Staat steht in der Verantwortung, welche Vergehen er gegen das Arbeitsrecht duldet oder nicht duldet und wie stark er kontrolliert und sanktioniert.

 

So ist der Film Schwarzarbeit, welcher mehrheitlich im Kanton Bern gedreht wurde, auch ein europäischer Film, in dem sich globale Auseinandersetzungen zum Thema Arbeit und Gerechtigkeit spiegeln.

 

Ulrich Grossenbacher

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Lorrainestrasse 15

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Schweiz

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